Lexikon des Zerfalls

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— Inschrift auf dem Wappen der Familie Vöhlin

Piper peperit pecuniam
Pecunia peperit pompam
Pompa peperit paupertatem
Paupertas peperit pietatem

Der Pfeffer brachte das Geld
Das Geld brachte den Prunk
Der Prunk brachte die Armut
Die Armut brachte den Glauben

Dies ist ein sehr schönes Motto für unsere Zeit. Man muss kein Hellseher sein, um zu verstehen, dass unsere Zivilisation sich auf einem ähnlichen Pfad befindet. Wir im Westen haben eine Zeit unvorstellbaren Aufstiegs erlebt und dabei riesigen Prunk entfaltet und das auf Kosten der Natur und vieler anderer Völker. Nun aber sind wir am Zenit. Wir spielen unsere letzten Karten, dann fällt der Vorhang. Wir werden den Weg vom Prunk zur Armut gehen. Was danach kommt, ist schwer zu sagen. Glaube oder ein neues Bewusstsein wären sicher nicht die schlechtesten Lehren aus dieser Zeit.

Es gibt meines Erachtens zu wenige ehrliche Bestandsaufnahmen dessen, was das bedeutet. Was zum Beispiel bedeutet es konkret, "nachhaltig" zu leben und wie kommen wir dahin? Wie werden wir in Zukunft leben? Werden wir im Wesentlichen so weiter machen können wie bisher oder werden wir uns bescheiden müssen? Und wenn ja, wie sehr? Manche Bücher dazu lesen sich schlicht wie Werbeprospekte. Die gut gemeinte Vorstellung dahinter ist, dass man den Menschen Mut machen muss auf dem Weg in die Zukunft. Aber ist es gut, falsche Hoffnungen zu wecken? Mir leuchtet nicht ein, warum wir nicht deutlicher darüber nachdenken sollen, was auf uns zukommt. Ansonsten riskieren wir, dass die Enttäuschung umso größer wird.

Lexikon des Zerfalls ist mein Versuch, unsere Zukunft konkreter werden zu lassen. Ich denke dabei nicht nur über Technik nach sondern auch über gesellschaftliche Institutionen und die Selbstverständlichkeiten des modernen Lebens und was aus ihnen werden wird, wenn der Mangel eines Tages eintritt.

Ich bin kein Experte, aber das kann vielleicht auch von Vorteil sein. Es geht nicht um Prophezeihungen, es geht auch nicht um wirtschaftliche Kennziffern. Es geht um ein ungefähres Bild, welche Herausforderungen an uns herantreten. Das erfordert oft nur Klarheit der Gedanken. In diesem Sinne kann und soll jeder selbst zu verstehen suchen, ob er oder sie dem zustimmen will, was ich sage. Nur eines, meine ich, sollte man von hier mitnehmen: wir müssen darüber vorurteilslos nachdenken, für uns selbst und alle, die nach uns kommen.

21. März 2012, Marcus Kracht